Karsten Kriwat
Der andere Holocaust

Der Vertreibung der Deutschen 1944-1949

160 Seiten

Die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Warschauer Aufstandes am 1. August nutzte Bundeskanzler Schröder erneut zu heftigen einseitigen Anklagen gegen Deutschland. Er nutzte die Gelegenheit auch, um seinen entschlossenen Widerstand gegen ein deutsches Dokumentationszentrum der Vertreibungsverbrechen anzudrohen. Außerdem betonte Schröder nachdrücklich, dass die Bundesregierung allen deutschen Opfern der Vertreibung, die individuelle Ansprüche gegen Polen erheben sollten, massiv entgegentreten werde. Kein Wort jedoch verlor Schröder zu der Tatsache, dass der heutige polnische Staat zur Hälfte aus Gebieten besteht, die Deutschland bei gleichzeitiger brutaler "ethnischer Säuberung" völkerrechtswidrig genommen wurden.

Zur 60. Wiederkehr der Vertreibung der Deutschen erscheint das Buch "Der andere Holocaust" mit bisher unveröffentlichten Augenzeugen-Berichten aus den Jahren 1944 bis 1949, die dieses Menschheitsverbrechen in zum Teil erschütternder Weise dokumentieren. Der Titel "Der andere Holocaust" wurde dabei ganz bewusst gewählt, denn auch bei der Vertreibung handelte es sich um einen Massenmord gigantischen Ausmaßes. Im Gegensatz zu NS-Verbrechen, etwa an Juden, sind die Vertreibungsverbrechen der Sieger an Millionen Deutschen jedoch bis heute ungesühnt. Auf Entschädigungszahlungen der Vertreiberstaaten, wie sie von Deutschland seit Jahrzehnten in Milliardenhöhe erbracht werden, warten die Betroffenen jedoch bislang vergeblich.

Autor Karsten Kriwat, der sich bereits in dem Buch "Alliierter Luftterror" den Verbrechen der "Befreier" widmete, schlägt in seinem neuen Werk einen weiten Bogen von der Geschichte des deutschen Ostens, dem Versailler Diktat, den Konferenzen von Jalta und Potsdam bis hin zum Sturm auf Ostpreußen, dem Massaker von Nemmersdorf, dem stalinistischen Mordhetzer Ilja Ehrenburg und dem Untergang der Flüchtlingsschiffe "Wilhelm Gustloff", "Steuben" und "Goya" mit jeweils tausenden von Menschen – vor allem Frauen und Kindern.

Dokumentiert wird das Schicksal der Schlesier, die Verteidigung der "Festung Breslau", der Todesmarsch der Breslauer Mütter, die alliierten Terrorangriffe auf die mit Flüchtlingen überfüllten Städte Dresden und Swinemünde, die Tragödie in Pommern, die Verbrechen der Roten Armee sowie des polnischen und tschechischen Pöbels an der deutschen Zivilbevölkerung, die Vertreibung der Sudetendeutschen und ihre Todesmärsche in die Konzentrationslager der "Befreier". Auch die Verschleppung ostdeutscher Zivilisten zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion wird behandelt.

Außerdem wird die systematische Trennung deutscher Kinder von ihren Müttern in polnischen Zwangsarbeiterlagern dokumentiert. Sie zählt neben den Massenvergewaltigungen deutscher Frauen zu einem der schlimmsten Kapitel der Vertreibung und ist heute kaum bekannt.

Das Buch wirft auch einen aufschlussreichen Blick auf die Integration der Vertriebenen in die westdeutsche Gesellschaft nach 1945, den "Bund der Vertriebenen" sowie die (Lippen-) Bekenntnisse Bonner Politiker zu den deutschen Ostgebieten. Behandelt wird außerdem die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze durch die Kohl-Regierung im Jahre 1990, die angeblich Voraussetzung für die Wiedervereinigung war.

Abschließend wird auch auf die aktuelle Debatte über ein "Zentrum gegen Vertreibung" eingegangen und die Frage gestellt, ob Polen und Tschechien wirklich in die EU gehören.

 
 

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