Heinz Schön
Flucht aus Ostpreußen
Die Menschenjagd der Roten Armee
448 Seiten, davon 64 Seiten s./w. Abbildungen, gebunden im Großformat
Als sich die Rote Armee im Sommer 1944 der nördlichen ostpreußischen Grenze bis auf etwa 150 Kilometer genähert hatte, wurde mit der "vorübergehenden Evakuierung" der Zivilbevölkerung des Memellandes begonnen. Im Oktober 1944, mit Beginn der sowjetischen Herbstoffensive im Grenzgebiet Gumbinnen/Goldap, wurde hier die Räumung notwendig. Noch glaubten die evakuierten Menschen an ihre baldige Rückkehr in die angestammte Heimat. Die am 13. Januar 1945 begonnene sowjetische Winteroffensive machte indes alle Hoffnungen zunichte. Mit einem Millionenheer brach die Rote Armee in Ostpreußen ein und überrannte die deutschen Verteidigungslinien. Mordend, plündernd, vergewaltigend stürmten die Rotarmisten vorwärts, ihren Vormarschweg säumten Leichen und brennende Häuser. Eine Massenflucht setzte ein. Bei grimmiger Kälte und hohem Schnee suchten Frauen, Kinder und alte Menschen ihr Heil in der Flucht - mit der Bahn, wo diese nicht fuhr, mit Treckfahrzeugen oder allein zu Fuß. Als sie schließlich den Weg nach Westen versperrt fanden, flohen die Menschen über das zugefrorene Frische Haff auf die Nehrung, andere suchten Schutz in Pillau, da sie meinten, sich mit Schiffen über die Ostsee retten zu können. Von den über einer Million Flüchtenden starben viele unterwegs an den unvorstellbaren Entbehrungen oder durch gezielte Angriffe auf die Flüchtlingstrecks. "Die Russen jagten die einheimische Bevölkerung vom Erdboden in einer Art, die seit den Tagen der asiatischen Horden kein Beispiel hat", urteilte der US-Diplomat George F. Kennan.
Insgesamt 60 der Betroffenen brechen in dieser Dokumentation erstmals ihr Schweigen. Ihre Schicksale stehen beispielhaft für die Millionen Ostpreußen, die die Schrecken der sowjetischen Invasion bzw. der Flucht vor der Roten Armee miterleben mußten. Der Autor Heinz Schön, der bereits mit den vielbeachteten ersten beiden Bänden seiner Ostpreußen-Trilogie "Im Heimatland in Feindeshand" (1998) und "Tragödie Ostpreußen" (1999) das wohl erbarmungsloseste Verbrechen im Zweiten Weltkrieg eindrucksvoll thematisiert hat, berichtet in seinem neuesten Buch anhand von 60 authentischen Berichten - einige der Zeitzeugen waren damals noch im Kindesalter - vom Leiden und Sterben der aus Ostpreußen flüchtenden Menschen. Kaum bekannt ist, daß mehrere hunderttausend von ihnen nach ihrer Flucht über die Ostsee in Kopenhagen anlangten, wo sie in Flüchtlingslagern unterkamen, die nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht von den Dänen als Internierungslager weitergeführt wurden. Noch bis zum Herbst 1948 wurden die ostpreußischen und andere deutsche Flüchtlinge unter erniedrigenden Bedingungen hinter Stacheldraht gefangengehalten. 64 Bildseiten mit mehr als 200 atemberaubenden zum Teil unveröffentlichten Fotos ergänzen die Fluchtschilderungen auf beeindruckende Weise und verleihen der Dokumentation einen ganz besonderen zeitgeschichtlichen Wert.
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